Spiritualität und Schamanismus Nordeuropäischer Völker

Weihrauch - Olibanum

Olibanum, der echte Weihrauch, ist das goldgelbe, wohlduftende Harz der strauchartigen Weihrauchbäume, die in Großen Wäldern am Roten Meer, vor allem in Arabien und Somalia, gedeihen.
(Christian Rätsch in: Räucherstoffe, Der Atem des Drachen)

So ganz richtig ist es nicht, der Weihrauch wächst nicht in Großen Wäldern, zumindest nicht nach mitteleuropäischen Vorstellungen eines Waldes. Der Weihrauchbaum wächst in Höhenlagen in Südarabien, d.h. dem südlichen Jemen und im Südwesten des Oman, also im Dhofar Gebirge als auch im Norden Somalias (Horn von Afrika). Dies sind die Hauptverbreitungsgebiete des Weihrauchbaumes Boswellia sacra.

Weihrauchbäume produzieren verschiedene Qualitäten von Harzen, diese sind abhängig vom Klima und den Umweltbedingungen in denen sie wachsen, ebenso ist die Qualität von der Ernteperiode und von der Erfahrung, sowie von der Sachkenntnis des Weihrauchsammlers abhängig.

Im Oman gibt es vier verschiedene Qualitätsstufen. Der feinste Weihrauch ist der Al'Hojari (auch als Hougari, Hougary oder Hougrey geschrieben, gesprochen: hu-ga-ri), der während der heissesten Jahreszeit im Wadi Dawkah geerntet wird. Der Hojari stammt von Weihrauchbäumen, die in den Höhenlagen des Dhofar wachsen, also entfernt von der Küste. Als zweites ist der Annajdi zu nennen, der auch einfach Nejdi, Negdi oder Najdi genannt wird. Dieser wird im Anschluss an der heißen Jahreszeit geerntet. Danach sind noch Asha'bi und Assahili oder auch Ashazri zu nennen, die aber weniger wertvoll sind. Der Assahili/Ashazri ist ein dunkler Weihrauch, er ist im Oman billig und wird als Weihrauch für jeden Tag benutzt. Diese Weihrauchsorten werden auch heute noch teilweise mit Kamelkarawanen zu Sammelstellen transportiert um dann als erstes nach Salalah in den Süden Dhofars gebracht zu werden, der dortige Weihrauchsouq ist in festen Händen der Sammlerfamilien.

In Somalia gibt es ebenfalls vier Qualitätsstufen, hier sind die besten der Grade 1 der auch Fasass genannt wird, dann Grade 2, der Casaan, es gibt aber noch Shooto (Mix aus hellen und dunklen Stücken) und Fooh, das Weihrauchmanna der Antike, das aus Absplitterungen und dem Weihrauchpulver besteht, dass den Weihrauch überzieht. Fooh entsteht durch den Transport und war in der Antike sehr begehrt. Fooh oder Fouh stammt aus dem arabischen und bedeutet soviel wie "ausstrahlend", oder "sich verteilend", weil er nicht nur sehr ergiebig ist, sondern weil geringe Mengen genügen um einen Raum mit Weihrauchduft zu erfüllen.

Der Weihrauchbaum liefert erst acht bis zehn Jahren nach dem Pflanzen sein kostbares Harz. Er wächst relativ schnell wenn die Umweltbedingungen stimmen und wird ca. 4 bis 5 Meter hoch. Die botanische Identität war bis Anfang des 19. Jahrhunderts nahezu unbekannt. Der Weihrauchbaum der Spezies Boswellia sacra kommt hauptsächlich in Südarabien und am Horn von Afrika vor. Hier gedeiht er im Dhofar Gebirge, das zum heutigen Oman gehört, im Hadramaut (Jemen) und Nordsomalia.

Die Boswellia-Arten sind in folgende Kategorien unterteilt: Boswellia sacra (Flückinger) var. carteri (Birdwood) bezeichnet den arabischen Weihrauch, der im Hauptverbreitungsgebiet in Südarabien und Nordsomalia vorkommt (siehe Karte). Der Baum wird auf Arabisch mogar, maqar bezeichnet, es gibt je nach Dialekt noch andere Bezeichnungen, das Harz wird in Arabisch sheehaz genannt. In Somalia heist der Baum mohor und das Harz beyo. Auch in Somalia gibt es noch verschiedene Bezeichnungen. Weitere Wissenschaftliche Namen sind:

1. Boswellia thurifera (Carter)
2. Boswellia bhau-dajiana (Birdwood)
3. Boswellia neglecta (in Somalia)

Boswellia frereana stammt aus Somalia und wird dort als Yagar bezeichnet, das Harz selbst als Maidi oder Maydi, dieser wird als Kauweihrauch benutzt. Die Weihrauchbäume variieren sehr stark untereinander, sodass es sehr schwer ist bestimmte Arten voneinander zu unterscheiden. Thulin und Warfa haben 1987 festgestellt, dass Boswellia carteri eigentlich dieselbe Art wie Boswellia sacra ist und diese keine separate Spezies dieser Gattung ist. Der Anbau des Weihrauchbaumes ist ein wohlgehütetes Geheimnis der Olibanum Sammler. Schon die antiken Ägypter sind, trotz ihrer zahlreichen Kenntnisse in der Agrarwirtschaft, gescheitert.

Bild: Hougari-Weihrauch aus dem Oman © Peter Hilterhaus

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