Spiritualität und Schamanismus Nordeuropäischer Völker

Die Runen selbst

 

Auch die Edda gibt an einigen Stellen Hinweise für den Gebrauch der Runen, die nicht nur von historischer, sondern auch von religiös-magischem Interesse sein dürften.

Als Zusatz zum Runenfindungsmythos der Hávamál, wo nur erwähnt wird, dass Odin die Runen findet beschreibt die Völuspá 57 (58) das Fimbultýr (eine Kenning für Odin) fornar rúnar also die Runen Schaute (von fornaðr, sehen) oder aussprach (von fornafn aussprechen). Zudem stellt die Edda in der Hávamál 79 eindeutig die Frage:

Was wirst du finden,        befragst du die Runen,
Die Hochheiligen,
Welche Götter schufen,        Hohepriester schrieben?
Dass nichts besser sei als Schweigen.
(nach Karl Simrock)

Auch das sog. Loddfáfnismál als Bestandteil der Hávamál beginnt gleich mit der Strophe 111 mit den Runen. Innerhalb einer Belehrung hörte dieser Loddfáfnir von den Runen reden und wie man die Schrift ritzt und deren nützlichen Rat (ráðum þögðu für leisen Rat, vergl. die Grundbedeutung für Rune) den gesamten Runenfindungsmythos hier zu behandeln würde den Rahmen sprengen, deshalb betrachten wir einige Hinweise auf Runenmagie in der Edda. Der bedeutendste Eddateil ist hier die Sigdrifumál , wo bereits in der Strophe 6 geschrieben wird:

Þurs ríst ek þér        ok þrjá stafi,
ergi ok æði        ok óþola;
svo ek það af ríst,        sem ek það á reist,
ef gerast þarfar þess.

Übersetzung:

Thurs ritz ich dir        und drei Stäbe:
Schlechtigkeit und Unmut        und Ungeduld.
So schneid ich es ab,        wie ich dies einschnitt,
Wenn es nötig ist dies zu tun.

In einigen Originalschriften der Edda sind die Runen tatsächlich dort eingefügt, wo sie hier im Text in Klammern erscheinen, so auch in der Sigdrifumál 9

Bierrunen musst du kennen,
wenn du willst, dass eines anderen Frau,
dich nicht überlistet, im Vertrauen wenn du vertraust.
Auf ein Horn sollst du's ritzen
und auf den Handrücken
und kennzeichne ein Nagel mit Not

(Übersetzt von Peter Hilterhaus)

Bei diesem Beispiel haben wir es mit einem Abwehrzauber oder auch Zauber zur Vorbeugung von Schaden und Verrat zu tun, somit können Runen auf magischem Gebiet auch zur Abwehr von Schaden gebraucht werden. Eine bedeutende Rune auf diesem Gebiet ist die Algiz-Rune, die für sich schon für Abwehr und Verteidigung steht.

Ein germanisches Heidentum auch in heutiger Zeit ist ohne Runen nicht vorstellbar. Die Runen gehören zur traditionellen Überlieferung unserer Vorfahren, gleich ob sie von Schriftzeichen des Mittelmeerraumes beeinflusst wurden oder nicht. Darum sollte dieser Artikel auch mit einer Überlieferung abschließen die aus der Edda stammt:

Nun ist des Hohen-Lied gesprochen,
in des Hohen Halle,
Wichtig den Menschensöhnen,
unwichtig den Riesensöhnen,
Heil dem, der es spricht,
Heil dem, der es kann,
Genuss dem, der es nimmt,
Heil denen die es hören.

(Übersetzt von Peter Hilterhaus)

weiter